Richtig viel los und ein 5:3

An so viele interessante Partien in einem Punktspiel kann ich mich selten erinnern und entsprechend hatten 6 der 8 Begegnungen einen Sieger.

Gegen die BSG gingen wir ins Risiko und zogen statt derer fünf (;-)) nur einen Ersatzspieler aus der Dritten. Haasi verteidigte die 100% Quote der Dritten souverän, lies die Bauern am Königsflügel marschieren und da der Gegner keine aktiven Gegenmaßnahmen initiierte, lies sich der vielversprechende Angriff zumindest in den Gewinn eines Bauern und relativ sicher gewonnenem Endspiel ummünzen (chronologisch gesehen war dies dass 4:1).

Fadi zeigte mal wieder eine höchst originelle Partieanlage mit offenen Linien, dynamischer Bauernstruktur und fehlender Rochade (beim Gegner!). Nach etwas mehr als einer Stunde führten wir 1:0.

Michael zu meiner Linken schien ungefähr das Gegenteil anzustreben - Bauerntausch im Zentrum, Standardfigurenentwicklung und ich fragte mich - "Wie will er da Schwung rein bekommen?". Nun, die Antwort war recht einfach: Durch heterogene Rochaden und einen sich von selbst spielenden Bauernmarsch gegen den gegnerischen König. Nach Damenverlust kam schnell die Aufgabe - 2:0.

Sandras Partie war vielleicht noch die Normalste, sie kam in ein ganz bequemes Turmendspiel mit Linienkontrolle und irgendwann einem gedeckten Freibauern, aber die gegnerische Stellung war ohne Schwächen und es sah sicher einfacher "gewonnen" aus, als es das in Wirklichkeit war. Punkteteilung hier also. Falk vereinbarte kurz darauf ebenfalls Remis (schon das Dritte jetzt, es fällt langsam auf). Die Stellung hier war irgendwie wohl dynamisch ausgeglichen, Ansätze für Ideen waren sicher auf beiden Seiten da, aber auch kein klares Übergewicht für eine Seite. Da wir zu dem Zeitpunkt schon recht klar vorn lagen, war das Remis definitiv in unserem Sinne.

Soweit so einseitig, aber damit das nicht so blieb, knallte mir mein Gegner in dieser Stellung den Springer auf c4 rein:

Ich war zunächst völlig perplex, verstand aber recht bald, dass das einzig mein (Rechen)Problem war. Vor die Wahl gestellt, den Bauern einfach zu geben - woraufhin der Springer auf a5 oder d6 weiter zu nerven drohte - oder mit 21. ... Lxe4 22. Sd6 Txd6 die Qualle zu geben und nach 23. Txd6 Lxg2 wenigstens die weiße Königsstellung ordentlich zu schwächen entschied ich mich für Letzteres. Wenigstens diese Entscheidung mochte die Maschine. Mit Minusqualle war das nun im höheren Sinne verloren und mein Gegner spielte das auch ordentlich durch, aber 2 gute Gelegenheiten für eine Zugwiederholung ergaben sich unterwegs trotzdem. Egal, nicht gesehen, ab der 4. Stunde war mein Kopf auch recht zu.

Das erklärt dann auch zum Teil den dramatischen Höhepunkt der letzten beiden Partien. Alv stand da schon seit einiger Zeit unter Druck und gefühlt flog ihm die Stellung jeden Zug um die Ohren. Aber irgendwie hielt es vielleicht doch und beide Seiten lebten fast nur noch von den 30 Sekunden Restbedenkzeit, da passierte folgendes (ich hoffe, ich memorisiere die Stellung korrekt):

Weiß am Zug spielt die Folge 1. Tb8 Txb8 2. Txb8+ Kf7 3. Txf8+ 4. Kxf8. Den Königszug begleitete Alv mit einem kurzen Zögern, Kopfschütteln wie "wat soll das denn?" und nach der ersten Schrecksekunde (Läufergabel auf c5, OMG) erspäht man den Turm auf h5 und: Alles ist gut!!!

Die Partie schien gerettet und das war wichtig, denn zur selben Zeit hatte ich bei Clausi kurz einen Herzkasper, als die Partie zu kippen und 4:4 drohte. Aber nix Partie gerettet (bei Alv), 5. Dd6+ und Aufgabe (nächster Zug: Dxc6).

Nun also zu Thomas an Brett 2, dem schon zugeflüstert war, dass ein Remis reicht und das sollte in dieser vorteilhaften Stellung doch bequem drin sein:

Schwarz am Zug spielt 1. ... Dxe5 2. fxe5 und nun 2. ... a5 mit besagtem Herzkasper: Zwei ganz weit entfernte Freibauern für Schwarz. Aber 3. c5 und alles ist gut! Beide Seiten bekommen eine neue Dame, aber Weiß gibt zuerst Schach und hat den gedeckten Freibauern auf d6. Recht schnell war hier dann die letzte Partie gewonnen und der hochinteressante Schachsonntag fand ein uns zufrieden stellendes Ende.

Ein Gedanke zu “Richtig viel los und ein 5:3

  1. Alv

    Naja, seine Dame war auf d2 und sein Turm auf b1ansonsten alles richtig und ändert nix an der Abweicklungund war lange vorbei, aber mit 30 Sekunden auf der Uhr sieht man auch Lichtschimmer, welche nicht existieren. Auf jeden Fall eine Klasse Partie von meinem Gegner!

    Antwort

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