Am 10.10. und 11.10. war es dann auch für die erste Mannschaft soweit: Punktspielauftakt.
Zum Start der neuen Saison in der Oberliga 2 ging es für uns nach Potsdam, wo wir uns mit dem ortsansässigen SV Mitte sowie dem SV Rüdersdorf duellierten ...

In der Samstagsrunde ging es für uns gegen den Ausrichter SV Potsdam-Mitte, gegen den wir uns durchaus etwas ausrechneten. Lars verpasste leider den Oberliga-Auftakt. Er wurde am Samstag durch Falk vertreten. Der Start der Samstagsrunde sah durchaus vielversprechend aus. Nachdem Grischan relativ zeitig Remis geschoben hatte, sah ich schöne Stellungen auf den Brettern um mich herum. In meiner Partie gewann ich im Mittelspiel einen Bauern und wähnte mich ebenfalls im Vorteil. Auch Christian Dehner ging mit einem Mehrbauern ins Endspiel. Und plötzlich kippte das Momentum. Mein Gegner fand auf einmal Gegenspiel, Christian konnte seinen Mehrbauern leider nicht zum Sieg verwerten, Wolli hatte einen Turm gegen das Läuferpaar, Falk musste sich mit zwei Minusbauern herumschlagen und Anton kam in ein Doppelturm-Endspiel, in dem beim Gegner ein b-Freibauer übrig blieb.
Entsprechend gingen die Partien leider aus. Anton und Wolli mussten aufgeben und auch Flosch konnte seine Stellung nicht halten. Plötzlich stand es 1-4 gegen uns. In meiner Partie brach in der Zwischenzeit die Hölle los. In einer komplizierten Stellung, in der die engine sowohl meinem Gegner als auch mir im Nachgang erklärte, dass wir beide keine Ahnung haben, was los ist, wurde aus meinem Mehrbauern eine Ruine. Damit ich mir nicht wieder den Vorwurf eines verlorenen Turmendspiels gefallen lassen musste, ging ich vorsichtshalber ins verlorene Bauernendspiel. Weder meine Mannschaft noch ich wussten so Recht, warum ich das Endspiel weiterspielte. Man möge sich nur mal die folgende Stellung nach Zug 44...e6 anschauen:

Von der puren Optik her muss Weiß aufgrund des Freibauern und des aktiveren Königs auf Sieg stehen. Und dem ist auch so. Diese Stellung wird von der engine erst als +92 eingeschätzt, bevor nach einigem Rechenaufwand Matt in 21 angezeigt wird. Ich sah zwei Ideen für Weiß nach 45.Ke5 Kxc5. Idee 1: Der weiße König frisst mein Bauernpaar und wandelt den f-Bauern um. Variante 2: Der weiße König ignoriert mein Bauernpaar und geht direkt zum h7, um den h-Bauern umzuwandeln. Ich lasse euch mal rechnen, welche Gewinnidee weiß hier umsetzen muss. Die Auflösung gibt es am Ende. Wie man der Abbildung entnehmen kann, hat mein Gegner (zum Glück) nicht die korrekte Idee gefunden und ich konnte in der Phase IV der Partie mit einem Minusbauern ein Dauerschach aufs Brett bringen.
Nach dem Ende der Partie wanderte meine Aufmerksamkeit zu Carstens Brett. Er befand sich in einem Schwerfiguren-Endspiel, aber irgendwas fühlte sich seltsam an. Bei näherer Betrachtung fiel mir auch auf, was es war: Bei Carstens Gegner fehlte einfach ein glatter Turm. Der schaute sich das Geschehen vom Rand aus an. Was war passiert? Der Gegner opferte diesen Turm im Glauben eines Mattangriffs. Einziger Haken: Es gab keinen Mattangriff. Carsten wehrte das Opfer ab und fuhr für uns den ersten vollen Punkt ein. Da blieb noch Falks Partie offen. Er erkämpfte sich seine Bauern zurück und just in dem Moment, in dem (auch) ich glaubte, er könnte es überleben, stellte der Gegner ein Mattnetz mit König, Springer und Turm aufs Brett. Ein bitteres Ende für unser achtes Brett an diesem Tag. Damit unterlagen wir dem SV Potsdam Mitte mit 2,5-5,5.
Am Sonntag stellten wir uns dem SV Glückauf Rüdersdorf, die schon wie am Tag zuvor mit 6x FM und 1x CM zum Wettkampf anreisten. Anstelle von Lars spielte dieses Mal Alv das achte Brett. Aufgrund eines "unglücklichen Missverständnisses" verpasste Anton leider den Sonntag. Man mag es kaum glauben, aber keiner aus unserem zweiundzwanzigköpfigem Oberliga-Kader konnte diese Lücke auffüllen, sodass wir ohnehin schon als Underdog dann auch noch zu siebt anreisen mussten. Immerhin einen kleinen Vorteil hatte diese Aktion. Das dritte Brett von Rüdersdorf nutzte die Gelegenheit und knipste einige Bilder vom Wettkampf, welche mir dankenswerterweise zur Verfügung gestellt wurden. Daher gibt es heute am Ende des Berichtes mal eine kleine Bildergalerie. Der Wettkampf verlief dann leider wie erwartet. Carsten beendete sein Wochenende mit einem Remis. Grischan gab sich mit einer Schaukel ebenfalls mit der Punkteteilung zufrieden. In meiner Partie standen die meine Figuren etwas kreativ auf dem Brett - leider eher kreativ schlecht als kreativ gut, was mir mein Gegner sehr schön nachweisen konnte. Am Ende hatte er den Mehrbauern und die Kompensation. Keine Punkte für mich an diesem Sonntag. Wolli überlegte einige Zeit am Remisgebot seines Gegners, nahm das dann aber an, um das Wochenende nicht mit 0/2 abzuschließen. Dieses Schicksal ereilte an diesem Wochenende Flosch, der aufgrund des freigewordenen zweiten Brettes zum zweiten Mal mit Weiß spielen durfte. Leider hatte der Gegner am Ende der Variante den schwarzfeldrigen Läufer mit dem a-Freibauern. Die Niederlage ebenfalls nicht abwenden konnte Christian Dehner. Seine Stellung war ein komplexer Königsinder gewesen. Die Krone auf dieses eher erfolglose Wochenende wurde dann von Alvs Partie gesetzt, denn er fühlte sich mit seinem Remis fantastisch, hatte aber wenige Züge vor dem Dauerschach des Gegners eine Gewinnkombination auf dem Brett. So geht der Wettkampf mit 2-6 an Rüdersdorf. Carstens Gewinnpartie vom Samstag blieb somit der einzige Einzelsieg an diesem Wochenende.
Aber die bereits erwähnten Bilder möchte ich euch nicht vorenthalten. Und danach gibt es ja auch noch die Auflösung meines Endspiels.





Ich bedanke mich schon einmal fürs Lesen! Für die Interessierten gibt es zum Abschluss noch die Auflösung meines Endspiels: Ich muss leider gestehen, dass ich euch etwas auf die falsche Fährte geschickt habe, denn keine der beiden von mir erwähnten Varianten führt zum Sieg. Mein Gegner entschied sich für Variante 1, welche aber nur remis wird, da ich rechtzeitig den a-Bauern einsammeln und zeitgleich mit meinem Gegner umwandeln kann. Auch Variante 2 führt nicht zum Sieg. Zum Beispiel: 45. Ke5 Kxc5 46. Kf6 Kd5 47. Kg7 e5! (einziger Remis-Zug) und auch hier wird wieder gleichzeitig umgewandelt. Was gewinnt nun? Richtig, die Kombination der beiden Ideen. Weiß frisst den e6-Bauern, aber nur, um mein eben erwähntes Gegenmotiv zu verhindern, ignoriert danach den f5 und frisst meinen h7. Zum Beispiel: 45. Ke5 Kxc5 46. Kxe6 Kb4 47. Kf6 (47.Kxf5?? ist Partie und führt wie erwähnt zum Remis.) Kxa4 48. Kg7 Kb3 49. Kxh7 a4 50. Kg6 a3 51. h7 a2 52. h8=D und die weiße Dame kontrolliert leider das Umwandlungsfeld.

Sven
Schöner Bericht 🙂 Bauernendspiele sind manchmal die Hölle ... immerhin auch für den Gegner!