Nach dem Saisonauftakt gegen einen der beiden Aufstiegsfavoriten hatten wir in der zweiten Runde die Roten Rüben zu Gast, gegen die wir nominell im Stamm ungefähr gleich stark besetzt sind. Ist ja immer ein schönes Gefühl, wenn man in der Landesklasse nicht als leichter oder klarer Außenseiter ins Punktspiel geht ... und die Ausgangslage verbesserte sich noch, da die Rüben mit 4 ErsatzspielerInnen antraten.
Sandra (wir) und Sylke (Rüben) kamen als Schnellste zum Schluss, dass Schach bei perfektem Spiel von beiden Seiten halt einfach Remis ist. Jörg (wir) und Wieland (Rüben) brauchten etwa 10 Züge länger für dieselbe Erkenntnis.
In meiner Partie musste ich über diese großen Dinge zum Glück gar nicht nachdenken. Ich machte mit Weiß gegen Pirc nach meiner Wahrnehmung völlig normale Entwicklungszüge und Schach entschied, dass es nach Zug 10 Ausgleich ist. Ehe es nun zu langweilig wird und ich nur über Remisen rede, hier ein positionelles Stellungsproblem, in welchem ich die Stellung im Ausgleich halten kann oder auf eine Bewertung von -1 runtergehe.

Weiß am Zug und offensichtlich muss der Läufer auf f4 gezogen werden. Auf welches "antipositionelle" Feld sollte er gehen? Auflösung am Schluss, ich entschied mich für die "-1" Variante. Mein Gegner spielte die Partie zum Glück im Großen und Ganzen zwar recht gut, wollte aber nicht zu sehr ins Risiko gehen, um die aktivsten, aber auch kompliziertesten Züge zu spielen. Ich konnte im Parteiverlauf ausgleichen und am Ende auch bei uns Remis.
Falk stand aus der Eröffnung gleichfalls ausgeglichen, aber die Stellung war komplex ... und eine unterschätzte Idee später war die Partei leider schon verloren. Timon konnte in der Eröffnung einen Bauern einsacken, und es war auch noch der schwarze f-Bauer. Seine Läufer kontrollierten wichtige Felder am schwarzen Königsflügel und wenig später konnten wir nach Punkten ausgleichen. Sehr schön gespielt!
Bei Vincent sah es ziemlich in die umgekehrte Richtung aus, aber er konnte mit Schwarz die Stellung auch in der Analyse gut zusammen halten. Na gut, ein Bauer musste investiert werden, aber dann kam im Doppelturm + Springer Endspiel die Frage nach Remis und ein solches Angebot lehnte Vincent nicht ab!
3-3 also bisher und Bühne frei für Thomas + Thomas. Die beide mit Schwarz im Eröffnungssinne "etwa wie geplant" standen aber eben doch mit Raumnachteil. Immerhin beide mit komplexer Stellung, in der sie sich gut auskannten. Thomas (Brett 1) fand sich zwischenzeitlich trotzdem in schlechterer Stellung wieder, aber in zunehmender Zeitnot fand sein Gegner nicht die besten Züge. Der Freibauer des Gegners ging verloren, bei bester Verteidigung hätte es mit ungleichfarbigen Läufern aber noch eine lange Partie werden können. Ungleichfarbige Läufer haben aber auch viel Angriffspotential und das entschied die Partie zu unseren Gunsten.
Bei Thomas an Brett 4 war es ein bisschen ähnlich, was das Kippen der Partie in Richtung Zeitkontrolle betraf. Hier war es allerdings ein positioneller Zusammenbruch. Die exponierte Stellung der weißen Figuren und Bauern konnte Thomas für entscheidende Schwächungen nutzen, die er im Doppelturm + Springer Endspiel schnell zum Sieg nutzte.
Damit freuen wir uns über das 5-3, die ersten beiden Mannschaftspunkte und die nächsten Runden.
Auflösung:
- Le3?? vereinigt alle positionellen Nachteile in sich. Nach Sxe3 ist die Bauernstruktur ruiniert und das Läuferpaar weg
- Lh2 gibt nach Sxh2 das Läuferpaar ab, aber hält zumindest die Bauernstruktur intakt. Trotzdem der drittschlechteste Kandidat
- Lg3 (meine Wahl) behält das Läuferpaar, aber mauert den Läufer nach schwarzem f6 ziiieeemlich lange ein.
- Lc1 zieht den Läufer auf sein Ausgangsfeld zurück und unterbricht die Verbindung der weißen Türme ... aber hält Ausgleich. Irgendwann kommt Weiß zu f3, bis dahin spielen die weißen Figuren zur Not auf der Grundreihe und geben keine Einbruchsfelder. Sollte idealerweise so 5-7 Züge im Voraus berechnet werden ... wozu ich mich nicht in der Lage sah.
