Im Juli 2026 durften sich viele Spielerinnen und Spieler einer DWZ-Erhöhung erfreuen. In meinem Fall katapultierte mich die Anpassung von meiner 1930 hoch auf 1995. Die lang ersehnte 2000 war zum Greifen nah. Bevor die Oberliga-Saison für mich losgeht, sollte ich zusammen mit Dirk und natürlich meinem Kumpel Julian aus Erlangen bei den 7. Unterlaender Schachtagen in Heilbronn-Biberach die Chance erhalten, mir die 2000 zu erspielen. Ob und wie erfolgreich mein Sommerturnier lief, lest ihr in den folgenden Zeilen.
Das Turnier bestand aus sieben Runden im normalen Fischer-Bedenkmodus. Gespielt wurde in der Böllingertalhalle im beschaulichen Heilbronner Stadtteil Biberach. Zum Turnier-Auftakt am Donnerstag (30.07.) bekam ich es mit weiß mit einer 1864 zu tun. (Alle Wertungszahlen, die im Text erwähnt sind, sind die angepassten Zahlen.) In der Eröffnung konnte ich eine Idee umsetzen, die meinem Gegner bald einen schwachen Bauern verpasst hat, den ich mir irgendwann einverleibte. Mein Gegner versuchte sich an einem Königsangriff, konnte seine Figuren aber glücklicherweise nicht ausreichend koordinieren. Irgendwann war ein zweiter Bauer fällig, sodass ich am Ende sogar meinen Springer opfern konnte, um die Bauernumwandlung noch einmal zu unterstreichen. Die erste Runde ging schon mal gut.
In der zweiten Runde am Samstag saß mir ein Gesicht gegenüber, mit dem viele von euch etwas anfangen können: Laurin Haufe. Ja, so klein ist die Welt. In unserer ersten Begegnung am Brett trickste ich mich in der Eröffnung leider selber aus, als ich auf das Rückzugsfeld meiner Dame, welches ich mir bewusst frei halten wollte, direkt im Zug danach einen Turm platzierte. Laurin gewann unzählige Tempi auf meine Dame, die in Folge dessen quer über das Brett gescheucht wurde und irgendwann stand er positionell glatt auf Sieg. Nachdem ich irgendwann eine Leichtfigur weniger hatte, musste ich im Endspiel dann das Handtuch werfen.
In Runde 3 bekam ich eine 1900 mit weiß. Die Stellung hatte einen sehr geschlossenen Charakter, sodass mein Gegner mir irgendwann Remis bot, welches ich ablehnte. Aus der anschließenden Stellungsöffnung stand dann auf einmal mein Gegner erheblich besser und machte richtig Druck auf meinen König. Zu meinem Glück spielte er den Angriff nicht genau und erlaubte mir, zurück ins Spiel zu finden. In massiver Zeitnot griff er dann auch noch ganz daneben, aber das dürft ihr in meinem ersten Rätsel jetzt mal selber herausfinden. Ich gebe euch die Stellung mal nach Zug 30. De4:
Die Stellung ist ausgeglichen, wenn schwarz hier einfach Damen tauscht. Aber mein Gegner wollte mehr und bezahlte dafür. Er spielte 30... Dxg3??. Könnt ihr die vollständige Kombination finden, mit der ich die Partie gewinnen konnte? Die Auflösung gibt es wie immer am Ende des Berichtes. Aktueller Turnierstand: 2 aus 3.
Tag 3 mit den Runden 4 und 5 war für mich der schwierigste Tag, da ich mich letztendlich gleich zwei mal einer 2200er Opposition stellen musste. In Runde 4 durfte ich mit weiß ran und griff gleich unscheinbar in der Eröffnung daneben. Glücklicherweise zog mein Gegner a tempo und nahm den Vorteil nicht mit. Dafür ließ ich am Ende der Partie eine Siegchance liegen. Am Ende des Tages hielten wir beide das Remis fest.
In Runde 5 traute ich meinen Augen nicht, als ich meinen nächsten Gegner sag. Das folgende Foto entstand nach der Analyse unserer Partie, in der ich mich so lange hielt, bis mein Gegner mich dann doch matt gesetzt hat. Preisfrage an euch: An wen erinnert euch mein Gegner?
Aktuelle Bilanz: 2,5 aus 5. Bis jetzt läuft es gut. Runde 6 sollte es dann aber in sich haben. Die Auslosung setzte mich mit den schwarzen Steinen gegenüber eines neunjährigen 1940er Talents. Na prima. Die Eröffnung gelang mir gut. Ich konnte meinen jungen Gegner überraschen und das Läuferpaar erobern. Was noch viel wichtiger war: Es stand genau null taktisches Potential auf dem Brett und es war ein rein positioneller Kampf. Im Mittelspiel fand ich dann eine Schlüssel-Idee, um meinen Läufer zur vollen Entfaltung zu bringen. Daher gibt es jetzt mal kein taktisches, sondern ein positionelles Rätsel für euch:
Nach 24. Ta1 sind uns die engine und ich zum Glück einig, dass schwarz mit einem Zug hier die Initiative bzw. positionelle Überlegenheit erhalten kann. Wer bekommt meinen 24. Zug raus?
Im Anschluss konnte ich meine Position dann Stück für Stück verdichten, brauchte aber bis zum 54. Zug, bevor ich den Sieg durch eine schöne Mattkombination eintüten konnte. Die Erleichterung war groß, schließlich arbeitete mein Gegner während des Turniers schon einige 2000er und 2100er mit beiden Farben um. Mit meinen 3,5 aus 6 war mir die 2000 nun bereits nur noch schwer zu nehmen.
Nachdem meine siebente Runde ungefähr zwei Minuten und fünf Halbzüge andauerte, konnte ich mir nun sicher sein, dass ich mein Ziel nun endlich erreicht hatte. Je nachdem, welchen DWZ-Rechner man fragt, gehe ich mit einer Zahl zwischen 2010 und 2020 in die Oberliga-Saison. Hat ja zum Glück nur einige Jahre gedauert. Und vielleicht eine kleine DWZ-Anpassung. 😉
Zum Abschluss gibt es wie immer noch die Auflösung der Rätsel:
Rätsel 1: 30... Dxg3?? scheitert konkret an folgender Kombination: 31.De6+ Kh8 32.Sf7+ Txf7. Bis hierhin alles klar, aber nun kommt der Zug, den mein Gegner verpasst hatte. Nimmt man den Springer auf c8 oder den Turm auf f7? Die Antwort lautet für den Moment: Weder noch! Nur 33.De8+!! führt zum Sieg. Um die Fesslung auf der f-Linie erfolgreich beseitigen zu können, muss man den Turm mit Schach schlagen. Also kam es so: 33. De8+ Kg7 34. Dxf7+ Kxf7 und nach 35. fxg3 hat weiß die ehemalige Verlust-Stellung in eine Gewinnstellung mit Mehr-Qualität verwertet. Der Rest war noch etwas Technik.
Rätsel 2: Ich bin mir sicher, dass ihr es alle gesehen habt. Mit seiner großen Statur, seinem vollen schwarzen Kopf- und Gesichtshaar kann es sich natürlich nur um das Double von Lars handeln. Relativ offensichtlich, oder?
Rätsel 3: Um den Läufer zur vollen Entfaltung zu bringen, muss der Damenflügel gesprengt werden. Üblicherweise kann man mit dem Sprengstoff c4 relativ gut arbeiten, aber da ich die schwarzen Steine hatte, lautet die Antwort hier nicht c4, sondern c5! Nun ergeben sich einige Varianten:
a) Die Partie-Variante: 24... c5 25. dxc5 bxc5 26. bxc5 Lxc5+ und weiß bleibt mit den schwachen Bauern auf c3 und a5 übrig.
b) 25. bxc5 bxc5 führt wahrscheinlich zur Transposition und hat keinen unabhängigen Wert.
c) Nach 25.axb6 cxb4! wird der Damenflügel systematisch auseinandergehebelt. Nicht jedoch 25...cxd4? 26.Tfd1! und das Manöver kann nicht die volle Wirkung entfalten. Mit 25...cxb4 verhindert schwarz unangenehme taktische Ressourcen.
Danke fürs Lesen! 🙂




