Neuer deutscher Amateurmeister vom VfB??

Vom 17.11.-19.11.2017 wurde in Magdeburg eines von vielen Qualifikationsturnieren der Deutschen Schachamateurmeisterschaft (DSAM) gespielt. Mit am Start: Alv, Sadko und ich auf der Mission, sich für das Finale in Leipzig Ende Mai 2018 in der C-Gruppe zu qualifizieren. Ich will euch kurz erzählen, wie das fünfrundige Turnier gelaufen ist.

Der Turnierauftakt lief für uns drei richtig gut. Während Alv das tat, was er am besten kann und ich in leicht besserer Stellung mich ebenfalls mit einem Remis als soliden Turnierauftakt begnügte, konnte Sadko direkt mit einem Sieg ins Turnier starten.
In der Nachmittagsrunde machten wir dann dort weiter, wo wir am Vormittag aufgehört hatten. Alv war wie immer als erster fertig. Sadko konnte seinen zweiten Sieg holen und ich spielte mal wieder am längsten. Nachdem ich mit Schwarz die Eröffnung mal so richtig in den Sand setzte, zeigte sich mein Gegner sehr kooperativ und half mir aus meinem Schlamassel, indem er sich auch noch auf mein Spiel am Königsflügel einließ und selber keine Anstalten auf Gegenspiel machte. Es entwickelte sich eine positionelle Stellung, die ich auch gut kneten konnte, dann in Zeitnot aber zum Remis verpatzte, was mein Gegner allerdings nicht nutzte. Mit dem strategischem Sieg danach auf dem Brett suchte ich jedoch direkt das Matt und fand es dann auch.
Der VfB holte als Teamleistung 4.5/6 zum Auftakt.

So gut der erste Tag für Sadko lief, so schlecht lief es leider am Samstag. In der dritten Runde unterlag er an Brett 2 mit den schwarzen Steinen und in der vierten Runde sah es auch lange Zeit nicht gut aus, allerdings fand er, unter Zeitnot wohlgemerkt, einen Weg, doch noch einen halben Punkt zu retten:

Wie immer sollt ihr die Variante (hier zum Remis) mal selber suchen 😉

In Runde 3 entschied sich Alv dann auch mal zum Gewinnen, weil er zeigen konnte, was ein Läufer auf der langen Diagonalen alles so ausrichten kann:

Aus Alvs Siegpartie in Runde 4. Nach Sc4 fällt verliert Weiß taktisch den b2 ersatzlos.

In Runde 4 kehrte Alv dann wieder in gewohntes Remis-Territorium zurück.
Ich setzte an Tag 2 meinen guten Auftakt fort und holte in Runde 3 gegen eine 1850 das zweite Remis, obwohl ich das Endspiel hätte gewinnen könnten, aber ich traf (mal wieder) die falsche Entscheidung. Besonderer Moment am Ende der Partie in dieser Stellung:

In dieser tot-remisen Stellung erlaubte ich mir nach 41. Txb2 mal Remis zu bieten, was mein Gegner mit dem folgendem Kommentar ablehnte: "Diese Stellung ist zwar tot-remis, aber manche Großmeister verspielen so etwas auch ab und zu." Richtig, aber nur wenn Nakamura aus Spaß mal wieder in einen Springer umwandelt. 5 Züge später sah er dann aber auch ein, dass er es vermutlich nicht mehr gewinnen würde. Bin ich dadurch besser als manche Großmeister, weil ich dieses anspruchsvolle Endspiel nicht verloren habe? Ich weiß es nicht.

Meine vierte Runde entschied sich erst im Endspiel, als ich mit entferntem a-Bauer ein Läufer gegen Springer - Endspiel bestritt. Mein Gegner verspielte auf der Suche nach der richtigen Verteidigung zu viel Zeit und traf zunehmend schlechte Entscheidungen, was mir am Ende den dritten Punkt aus vier Spielen einbrachte.

Mit drei aus vier Punkten durfte ich mir also berechtigte Hoffnungen auf die Finalqualifikation machen. Aber auch Sadko und Alv waren mit ihren jeweiligen 2.5 aus 4 noch nicht aus dem Rennen. Ich bekam (leider) ein Jugendtalent als Gegner und stellte ganz früh völlig sinnlos einen Bauern ein. Da um mich herum nur Remis gespielt wurde, was mir gar nicht entgegenkam und meine Stellung auch nicht sonderlich toll war, verlor ich in Folge den Kopf und spielte meine schlechteste Partie seit einiger Zeit und entschied mich dann bei drei Minusbauern im Turmendspiel aufzugeben, wodurch sich meine Finalqualifikation erübrigte. Selbst mit einem Remis wäre es verdammt eng im Kampf um Platz 7 geworden [Die ersten 7 qualifizieren sich fürs Finale].
Alv und Sadko ereilte dasselbe Schicksal; auch sie verloren ihre letzten Runden. Der nächste deutsche Amateurmeister der C-Gruppe wird also vermutlich nicht vom VfB kommen, außer Alv möchte gerne quer durch Deutschland reisen ;-).

Turnierfazit:

  • Sadko verbucht nach Magdeburg eine neue höchste DWZ von 1715 und ist mit dem Turnier insgesamt durchaus zufrieden und  freut sich über eine nach oben zeigende Formkurve.
  • Alv freut sich, im Königsinder wieder etwas gelernt zu haben und fühlt sich zunehmend sicherer. Nach Magdeburg sinkt seine DWZ leicht, fliegt aber nicht unter die 1800er Marke.
  • Ich freue mich, in diesem starken Teilnehmerfeld so gut gespielt zu haben und meine Endspielkenntnisse wieder ein kleines Stück ausgebaut zu haben. Viel Luft nach oben besteht trotzdem noch. Auch meine DWZ legt weiter zu und kratzt an der 1700er Marke, die ich Erfurt definitiv knacken will. Trotzdem hätte ich die Finalqualifikation gerne mitgenommen, aber wer hätte das von uns dreien nicht?

Am Ende belegten wir von 72 Teilnehmern der Gruppe C (1750 < TWZ < 1900) folgende Plätze:
Rang 13 Timon
Rang 27 Alv
Rang 29 Sadko

Die komplette Tabelle findet ihr übrigens hier:
https://www.dsam-cup.de/magdeburg/turnier.html?gruppe=C&typ=tab

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