aber eines der enttäuschenderen Sorte. In nahezu Stammbesetzung (Alv spielte Ersatz für Thomas) fuhren wir ambitioniert nach Plauen und liebäugelten gegen deren Dritte durchaus mit 2 Mannschaftspunkten. Dass die An- und Abreise mit der Bahn trotz 150 km Entfernung wirklich gut funktioniert, hatten wir schon in der letzten Saison ausgetestet.
Wir fuhren dann trotzdem mit 2 Autos (5 Mann) und nur Falk, Jörg und ich mit der Bahn, aber 3 Leute reichen ja auch für ein paar Skatrunden. Das Plauener Spiellokal im Hotel Alexandra bot wie immer schönen Komfort, guten Kaffee und die in der ersten Stunde erhöhte Lautstärke hielten wir aus. Nebenan beschwatzte eine Runde Briefmarkensammler ihre Bestände - manche Leute wissen Sonntag vormittag beim Brüten über ihr Hobby wirklich nichts Gescheites mit ihrer Zeit anzufangen.
Der Wettkampf begann ohne ganz schnelle Ergebnisse, aber so nach 2,5h sackten sowohl Maxi als auch Fabio 2 volle Punkte ein. Das sollte sich letztlich als unsere Rettung zum Mannschaftsremis herausstellen. Fabio musste sich in der Eröffnung die Bauernstruktur am Königsflügel verderben lassen, dafür standen die beiden Springer des Gegners am Damenflügel zwar halbwegs aktiv aber auch unkoordiniert und Fabio konnte einen der Springer gewinnen.
Maxi und Gegner hatten nach 12 Zügen glaube ich exakt eine Figur entwickelt - okay, eine Leichtfigur war abgetauscht - und rochiert hatte auch noch keiner von beiden. Der Gegner tat dies kurz darauf kurz, Maxi lang und das war sowohl ambitioniert als auch mit etwa Risiko gespielt. Ab da lief es dann aber wie geschmiert, Maxis Angriff schlug deutlich schneller durch und er konnte einen schönen Angriffssieg einfahren.
Die verbliebenen 6 Bretter konnte man "in der Summe ausgeglichen" abschätzen und alles schien für uns zu laufen. Vincent (solide mit Schwarz), Alv (gut mit Schwarz und Freibauer, aber letztlich zu ausbalanciert) und ich mit Weiß (bisschen hin und her, aber immer in der Waage) machten stellungsgerechte Remisen.
Es verblieben Jörg mit (sehr) dominanter Stellung, Christian mit Mehrqualität gegen Mehrbauer und Läuferpaar und Falk (leichtes "schwarz-gedrückt", aber spielbar). Zunächst zu Jörg, der sich diese Traumstellung erspielt hatte:

Sxe5 von Weiß ist nicht allzu schwer zu finden und was soll Schwarz hier noch groß tun? Okay, Dh3 spielen und "fidscheln". Es folgt 2. Td8 Sg4 3. Sxg4 Dxg4 und:

Aus schwarzem Gefidschle ist nichts geworden, Jörg hat einen Bauern mehr, der Läufer schaut furchtbar in die schwarze Stellung und trotzdem gewinnt es sich nicht "von allein". Hier konnte man mit Dxc6 schnöde einen weiteren Bauern gewinnen und Druck auf e8 ausüben (warum der Bauernrückgewinn für Schwarz mit Dxe4 nicht funktioniert kann als kleine taktische Fingerübung berechnet werden).
Oder Weiß droht mit Dd4 gleich Matt und zentralisiert die Dame. Dafür entschied sich Jörg und berechnete nach 1. ... f6 2. Txe8+ Txe8 3. Dd7 erzwungenen Damentausch und "gewonnen" (laut Computer nur "großer Vorteil"). Hatte aber das simple 3. ... Dxe4 von Schwarz übersehen und auf einmal ist es nur noch "Vorteil" für Weiß ohne die ganz klaren Gewinnideen.
Um in der nun wieder "von vorn" zu spielenden Partie nicht noch alles zu riskieren, akzeptierte Jörg lieber das Remis. An den verbleibenden beiden Brettern war die Lage inzwischen brenzliger geworden.
Falks Gegner hatte die Dame für 3 Figuren gegeben - auch hier gab es eine schöne taktische Variante mit Springergabel am Ende, die etwa 6 Züge vorher gesehen werden musste, die aus Platzgründen hier aber nicht erscheint. Falks und unsere Hoffnungen auf Dauerschach oder vorrückenden Bauern, die die gegnerischen Figuren beschäftigen erfüllten sich leider nicht und in der geschlossenen Stellung waren die 3 Figuren der Dame klar überlegen.
Christian spürte trotz Mehrqualität den Druck des Läuferpaars und zog einen Springer in die Fesselung, um mit Turm und Läufer aktiv zu werden und sich einen Bauern zurückzuholen. Das hatte sein Gegner aber alles gut berechnet, denn er konnte nun den Springer 2 mal angreifen und das allein hätte die Qualität gekostet, aber immerhin Endspiel mit Minusbauer und Remischancen in Aussicht gestellt. Es kam aber noch schlimmer, denn der gegnerische König konnte als dritter Angreifer hinzustoßen und ein Weiterspielen war zwecklos.
Tja, schon sehr enttäuschend. Klar hatten wir am Anfang bei Fabio und Maxi etwas das Glück auf unserer Seite, als die unklaren Stellungen in unsere Richtung kippten. Das dann aber kurz vor der Ziellinie aus 3 Partien mit "2-Punkte-Potential" grade mal ein halber rausspringt, war ärgerlich. Nun gut, interessante Partien waren es zumindest.
Als kleines Sahnehäubchen verpassten wir Bahnfahrer dann auch noch den 14:33 Uhr Zug um (wirklich!) 20 Sekunden und sahen ihn vor unserer Nase wegfahren. Noch ein Ziellinien-Finish gegen uns. Das war nach paar Minuten dann aber auch egal und wohlbehalten erreichten wir gegen 18 Uhr unsere warmen Stuben.

Timon
"manche Leute wissen Sonntag vormittag beim Brüten über ihr Hobby wirklich nichts Gescheites mit ihrer Zeit anzufangen"
Eine herrlich ehrliche Selbstreflexion 😛