Ein Schwenker mit Weck bitte!

Wer mit der heutigen Turnierüberschrift nichts anfangen kann, dem sei verziehen, denn es handelt sich hierbei um saarländische Mundart und bedeutet soviel wie: Ein Steak im Brötchen bitte!
Woher ich das weiß? Naja, ich war am Wochenende mit Kevin von den Leipziger Fortunen dort zu einem Schnellschachturnier. Frei nach dem Motto: "Wir haben ja Zeit und ein 9€-Ticket." machten wir uns auf den langen Weg ins Saarland in das schöne Städtchen Wadgassen an der Saar. Es sollte sowohl einer meiner/unserer beknacktesten, aber auch schönsten Schachausflüge werden.

Am Freitag stand erstmal nur die Anreise auf dem Programm und die hatte es dank der deutschen Bahn schon in sich. Statt wie geplant nur mit Nahverkehrsmitteln unterwegs zu sein, mussten wir zwischendrin zwischen Göttingen und Frankfurt dann doch mal ICE fahren. Von da aus ging es über Saarbrücken in den Nachbarort Bous, in dem ich doch glatt meine Tasche im Zug vergaß. (Dank der deutschen Bahn befindet die sich aber schon wieder auf dem Weg zu mir.) Unsere erste Aktion im Saarland war also erstmal ein Shopping-Ausflug. Das ging ja gut los. 

Am Samstag ging das dann Turnier dann los. Gespielt wurde mit der Zeitkontrolle 45+0 im Schweizer System mit sieben Runden. Kevin und ich erledigten unsere Auftakthürden in Runde 1 sehr souverän mit den weißen Steinen. Kevin gewann dann auch in Runde 2. In meiner zweiten Runde saß ich dann mit Schwarz einem IM namens Herbert Bastian gegenüber. Einigen von euch wird dieser Name vielleicht ein Begriff sein. Mir war der Name zu dem Zeitpunkt völlig unbekannt und ich hatte ja keine Ahnung, wem ich da gerade gegenüber saß. Nach langem Kampf musste ich letztendlich dann die Waffen strecken, aber wir analysierten noch für einige Minuten. In Runde 3 korrigierte ich dann erneut mit Weiß auf 2 aus 3 und Kevin musste seinen ersten halben Punkt abgeben. In Runde 4 hatte ich erneut Schwarz und sah mit der Grob-Variante des Sizilianers konfrontiert. Was zur Hölle das ist? Ganz einfach: 1.e4 c5 2.g4. Noch Fragen? Dieses unorthodoxe Spiel brachte mich völlig aus dem Konzept, aber am Ende stellte mein Gegner zum Glück erst eine Figur und dann ein Matt in 1 ein, sodass ich Tag 1 mit 3 aus 4 beendete, genau wie Kevin, der auch seine letzten Partie des Tages Remis geben musste.

Am Sonntag konnte ich in Runde 5 nach fehlbehandelter Weiß-Eröffnung ein ausgeglichenes, für meine Gegnerin aber unangenehmes Endspiel in einen Sieg verwerten. Kevin musste sich wieder mit einem halben Punkt zufrieden geben. Nach einem Sieg in Runde 6 und einem Remis in Runde 7 beendete er das Turnier mit 5 aus 7 und konnte den zweiten Preis hinter IM Herbert Bastian abstauben. Glückwunsch an alle Preisträger! In meinen letzten beiden Runden habe ich gelernt, dass Franzosen auch Schach spielen können und unterlag in beiden Begegnungen, womit ich mit 4 aus 7 noch in den TOP 10 landete. Insgesamt waren 34 Teilnehmer(innen) anwesend. 

Bevor es für uns dann nach Hause ging, wurden wir noch auf ein (oder vielleicht auch zwei?) Kaltgetränk(e) eingeladen und wir verquatschten uns fast noch. Ich unterhielt mich nochmal eine ganze Weile mit meinem Zweitrundengegner Herbert, der so ganz nebenbei mal DSB-Präsident und FIDE-Vizepräsident war und ungefähr jede Person in der Schachszene kennt. (Falls ihr das nicht wusstet, grämt euch nicht: Kevin und ich hatten auch keine Ahnung.) Da Herbert sein Leben lang als Mathe- und Physiklehrer gearbeitet hat, fanden sich auch da interessante und für mich sehr inspirierende Gesprächspunkte. Wen man alles durch Zufall auf einem Schnellschachturnier im Saarland trifft ... Wahnsinn. 

Anschließend hieß es für uns, den Heimweg anzutreten. Schlappe 14 Stunden Zugfahrt und einen Tag später habe ich die Ereignisse dieses Ausflugs immer noch nicht ganz verarbeitet, aber die Strapazen haben sich auf jeden Fall gelohnt. Ich nutzte das Turnier (wie auch meine Gegnerin aus Runde 5) ja als Vorbereitung für das DSAM-Finale in Magdeburg in einer reichlichen Woche. Ich bin ganz zufrieden und habe wieder einige Punkte meines Spiels gefunden, die ich bis dahin noch verbessern kann/muss. Das Schöne ist, dass man mal keinen DWZ-Druck hatte. Eine willkommene Abwechslung, weil uns dadurch auch das Teilnehmerfeld insgesamt einen entspannteren Eindruck machte. Oder man ist im Saarland einfach generell entspannt, das kann ich noch nicht beurteilen. Wie dem auch sei ... 

Ein großer Dank geht von unserer Stelle aus an die Turnierorganisatoren Wolfgang, Jörg, dem Grillmeister, dessen Name mir leider entfallen ist (Dickes Sorry!), Alois und Thomas (auf dem Foto oben abgesehen von uns beiden von links nach rechts) und allen Teilnehmern. Ihr ward tolle Gastgeber und vielleicht kommen wir nächstes Jahr wieder! Hoffentlich habt ihr dann auch wieder ein Schwenker mit Weck für uns! 😉 

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