Autoren-Archive: Frank Müller

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Seit heute haben wir - neben der Komfortabilität und Modernität unserer Spielstätte - eine weitere Gemeinsamkeit mit dem FC Bayern München: Nach dem erwarteten, souveränen Sieg in der Meisterschaft (OK, OK... ;-)) blieb uns im Pokalfinale nur der undankbare zweite Platz.

In unserem Falle war die Wiederholung der überraschend guten Platzierung des Vorjahres jedoch eindeutig eine Erfolgsgeschichte. Diese wurde begünstigt durch eine vernünftige Streuung unserer Einzelerfolge über die Schar unserer potenziellen Konkurrenten.
So starteten wir in die Vorrunde mit einem knappen, aber verdienten Erfolg gegen die künftigen Ligakollegen aus Hoyerswerda, die dann wie erhofft mit uns in die Finalrunde einzogen und uns dort ein nettes Startpolster bescherten. Da konnten wir dann (nach einem Sieg gegen eine von gefühlt einem halben Dutzend SGL-Mannschaften) im letzten Kampf der Vorrunde großzügig die Mannschaftspunkte an die - auch nicht so schlechten - Zwickauer abgeben.
Nach einem knappen, aber verdienten Sieg zum Auftakt der Finalrunde gegen Nickelhütte Aue standen wir schon als Zweitplatzierte fest, da im Parallelkampf Grün-Weiß Dresden die Hoyerswerdaer geschlagen hatte. Damit gab es in der letzten Runde ein echtes Finale gegen Grün-Weiß, in dem diesen aufgrund der besseren Brettpunktausbeute bereits ein 2:2 gereicht hätte. Dazu kam es allerdings nicht - die Grün-Weißen kamen zu einem insgesamt recht ungefährdeten 3:1-Sieg und waren der verdiente Pokalsieger. Herzlichen Glückwunsch in die Landeshauptstadt! Anders als im Vorjahr, als wir denkbar knapp und unglücklich am Pokalsieg scheiterten, gibt es dieses Jahr keinen Grund zum Hadern.

Unsere Mannschaft (Frank, Thomas, Wolli, Carsten, Lars) bestach vor allem durch Homogenität. Eine virtuelle Verbeugung will ich dennoch vor Thomas machen, der Opfer der Farbauslosung (und der Pausengestaltung meiner Wenigkeit) wurde und der mit seinem Sieg gegen IM Hannes Langrock in seiner einzigen (!) Weißpartie eine entscheidende Weiche in Richtung Vizepokalsieg und der damit verbundenen Qualifikation für den DFB-Pokal (O-Ton Jürgen Rudolph - wir werden ihn darauf festnageln, wenn wir mit dem Stadionbau fertig sind...) stellte.

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Noch eine Nachlese zu unserem Abschneiden/frühzeitigen Ausscheiden bei der DPMM gegen den SC Empor Potsdam. Das Los hatte uns einen nominell machbaren Gegner beschert, wenngleich die beiden aufstrebenden Hansch-Zwillinge an den ersten beiden Brettern zumindest mir Kopfzerbrechen bereiteten. Zu Recht: Nachdem ich mit Schwarz passabel aus der Eröffnung gekommen war, brauchte ich bei jedem Zug viel Zeit, um jeweils festzustellen, dass scheinbar vielversprechende Fortsetzungen leider sämtlichst an taktischen Details scheiterten. Kurz: Ich fühlte mich wie eine Fußballmannschaft, die beständig einen halben Schritt zu spät kommt. Gegen das energische und schnelle Spiel meines jungen Gegners kam ich Schritt für Schritt auf der Uhr und auf dem Brett unter Druck und patzte folgerichtig: ein wichtiger Bauer war weg. Da stimmte es nur bedingt hoffnungsfroh, dass Thomas an Brett 2 sich zeitgleich nominelle Vorteile erarbeiten konnte (Mehrbauer bei allerdings zugiger Königsstellung), denn aufgrund der Berliner Wertung hätten wir bei meiner zu prognostizierenden Niederlage noch einen weiteren Sieg benötigt. Der konnte nur von Lars an Brett 3 kommen, denn Wollis Gegner hatte mit Weiß das Entstehen jeglicher Spannung verhindert und so das fast Undenkbare möglich gemacht: Ein unspektakuläres, korrektes Remis an Wollis Brett.
Doch dann kam alles doch etwas anders, wenn auch nicht wirklich gut: Mein bislang tadellos agierender Gegner übersah mit über einer Stunde auf der Uhr (gegen eine Minute meinerseits) eine simple Taktik:

Statt mit 38. Le2 weiter glatt auf Gewinn zu stehen, zog er forsch 38. Sf4 und schaute sich nach 38.- S:e3 ca. 10 Minuten lang mit verdrießlichem Gesicht den Schaden an, um sich dann dem Nachbarbrett zuzuwenden. Dort hatte sich in der Tat Entscheidendes getan, denn Thomas hatte im Streben nach dem ganzen Punkt die Kontrolle über die Position verloren und stand nun klar auf Verlust. Wir gaben nun sicher ein recht skurriles Bild ab: Ein von der eigenen Partie angewiderter, auf einem immensen Zeitvorrat thronender Spieler, der nur noch auf den Schlusspunkt der Partie zu seiner Rechten wartete ... und sein aufs Äußerste angespannter, offenbar ebenfalls unzufriedener Gegner, der die gegnerische Bedenkzeit gierig aufsog und an irgend etwas verzweifelt herumrechnete. Letzterer Part kam als gerechte Strafe für mein schlechtes Spiel mir zu. Mir war zwar klar, dass mein Gegner die Partie abgehakt hatte und das für uns unglückliche Ende der Partie an Brett 2 den Remisschluss an unserem Brett zur Folge haben würde. Andererseits hatte ich keine rechte Ahnung, wie ich nach 39. g3!? fortfahren sollte. Denn danach gibt es eine Reihe von Möglichkeiten für Schwarz, aber keine schien mir befriedigend. So sieht 39.- Sf5 irgendwie gut aus, aber fast jeder vernünftige weiße Zug gewinnt, am einfachsten 40. D:f7. Nächster Versuch: 39. - Dc1+ 40. Kh2 Sf1+ 41. Kg2 Sd2. Aber ich konnte nicht erkennen, wie es nach 42. Le2 weitergehen soll (Antwort: gar nicht). Bei dem einzig richtigen 39. - Dc1+ 40. Kh2 Df1 41. f:e3 D:f3 42. Sg2 war mir hingegen das simple, aber wichtige Detail entgangen, dass meine Dame jetzt f7 unter Kontrolle hat und deshalb unmittelbar 42.- Lf8 (Idee Ld6) möglich ist (mit dem von mir für nötig gehaltenen Einschub von 42.- Kg8 ist das Ganze natürlich witzlos, denn nach 43. D:a7 Lf8 44. D:b6 hat Weiß ja d6 unter Kontrolle). Nach 43. Db8 Kg7 ist nun nicht klar, auf welche Weise Weiß noch Fortschritte erzielen will, also objektiv tatsächlich Remis?! Oder findet jemand noch etwas? Klar ist jedoch auch hier, dass Weiß weitgehend risikolos noch ein bisschen herumstochern könnte. Aber es kam, wie es kommen musste: Nachdem Thomas aufgegeben hatte, zog mein Gegner 39. D:f7 und verband dies mit einem Remisangebot, das ich annehmen musste und das aufgrund der Berliner Wertung zugleich unsere Niederlage besiegelte.

Am nächsten kamen wir einem Sieg vielleicht an Brett 3:

Lars als Weißer machte hier mit b4-b5 den Laden dicht und bot dann mit Df2 Damentausch an. Im resultierenden Endspiel gab es dann allerdings kein Durchkommen mehr. Wir Zuschauer hätten gern den Springereinschlag auf f5 gesehen - wonach die Lage aber wohl auch nicht ganz klar ist; ich denke jedoch, Schwarz hat den härteren Job. Auch hier ist sicherlich Raum, sich an einer Analyse abzuarbeiten.... Vielleicht wäre ja auch unmittelbar Df2 eine Idee gewesen, denn der Bauer b4 ist wegen des Schachs auf g5, wonach der König wegen der Gabeldrohung auf c6 die Deckung des Bauern e6 aufgeben muss, keine echte Option.

Insgesamt sicher ein verdienter Erfolg der Potsdamer in einem engen Match.

Kurios noch, dass die vermeintlich schwächste Mannschaft aus Weimar den nominell überlegenen Zehlendorfern einen großen Kampf bot und nach einem 2:2 erst im Blitzentscheid ausschied. Auch am nächsten Tag konnten die Zehlendorfer nicht gewinnen - hier brachte jedoch bereits die Berliner Wertung (Sieg an 2, Niederlage an 3) die Entscheidung zu ihren Gunsten.

 

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Nach dem gelungenen Saisonauftakt in Ebersbach erhofften wir auch gegen die IV. Mannschaft der SG Leipzig einen Erfolg, wiewohl klar war, dass ein Fifty-Fifty-Match auf uns wartete. Diese Prognose bestätigte sich gleich in der ersten beendeten Partie, in der ich mir mit meinem ehemaligen Mannschaftskameraden Manfred Schöneberg schnell einig war, dass ein halbleeres Glas immer noch halbvoll genug für beide Beteiligte sein kann. Das verdammte mich dazu, das folgende Drama bei ungeteiltem Bewusstsein erleben zu müssen. Wie jedes Drama ging es erstmal so gut los, dass es eigentlich nicht wahr sein kann: Wollis Gegner ahnte nichts von seiner terminlichen Zwangslage und ermöglichte ihm durch einen ebenfalls zeitigen Remisschluss den Genuss eines fußballerischen Chemiecocktails. Während die einen übers Wegkommen nachdachten, kämpften andere noch mit dem Ankommen. Wir hatten uns im Geiste schon einen ganzen Zähler an Brett 4 gutgeschrieben, als Carstens Gegner aufgewühlt und unter lautem Gepolter eine Minute vor 10 Uhr noch ins Spiellokal einfiel. Auch am Brett war er dann nicht mehr zu bremsen und lief Carsten ins offene Messer. OK, mit einer Stunde Bedenkzeit weniger war seine Aufgabe auch alles andere als dankbar. Die undankbarste Aufgabe des Tages hatte allerdings Gisos Gegner: André hatte zwar physisch das Spiellokal rechtzeitig erreicht, wirklich angekommen war er jedoch wohl erst, als Gisos Läufer auf f2 eine kleine Begrüßungsansprache hielt. Da es ein Mannschaftskampf war, unterdrückte er den Impuls, unmittelbar aufzugeben, bekam in der Folge jedoch von Giso keine Gelegenheit mehr gewährt, sich von seiner Opferrolle zu emanzipieren. Das sah sehr gut aus - zumal an den weiteren Brettern viel Vielversprechendes und nichts wirklich Schlechtes zu sehen war. Und dann kam es doch noch dicke - und die 3 Jüngsten, die leider allesamt auf Seiten der SG saßen, wurden zu den Helden des Kampfes. Zunächst ruinierte Jörg seine schöne Stellung kurzfristig durch ein taktisches Versehen. Thomas hielt seinen starken Gegner mit aktivem Gegenspiel am Königsflügel in Atem, konnte die Spannung aber dann doch nicht in der Stellung halten. Nach mehreren Abtauschaktionen traten die statischen Vorteile der Stellung seines jungen Gegners in den Vordergrund, die dieser mit beeindruckend abgeklärtem Spiel verwertete. "Man of the match" wurde dann allerdings eine der beiden weiblichen Spielerinnen. Talent hin oder her - in der Partie gegen Julia Halas war Lars nominell eindeutig Favorit. Und viel kann man ihm nicht vorwerfen - er schuf ein strategisches Ungleichgewicht, um Gewinnchancen zu kreieren und ich hatte lange das Gefühl: "Det läuft!". Dann brachte Julia allerdings ein schickes strategisches Bauernopfer und Lars schaffte es nicht rechtzeitig, auf den Backen-zusammenkneifen-Modus umzuschalten und wurde sehenswert taktisch ausgeknockt. Eine tolle Leistung von Julia, die damit zur Matchwinnerin wurde. Denn auch die letzte Partie, die gut für uns ausgesehen hatte, war zwischenzeitlich gekippt. Christian hatte seine klar vorteilhafte Stellung gegen Sandra Ulms lange Zeit souverän verwaltet - bis ihn zur Unzeit die Gier übermannte. Danach war er so mausetot, dass es ihm leider nur noch gelang, seine Gegnerin zum Remis zu beschwindeln. Eine Partie, in der so viel drin war, dass eigentlich ein 1,5:1,5 das angemessene Resultat gewesen wäre. Am Ende stand dann eine bittere 3,5:4,5-Niederlage, aber für die nicht anwesenden neutralen Zuschauer war es sicherlich eine Augenweide - und das ist es doch, was am Ende zählt!